Ordentlich ist nicht gleich ordentlich
„Ordentlich“ ist kein einheitlicher Zustand, sondern eher eine Sammlung verschiedener Strategien, um Struktur zu schaffen. Wir könnten zum Beispiel unterscheiden zwischen visueller Ordnung, da hat alles einen festen Platz, die Oberflächen sind meistens frei, Dinge sind sofort auffindbar. Oder systematischer Ordnung, hier haben wir Kategorien, Ablagen, Regeln und Prozesse, auch wenn es von außen nicht immer ganz perfekt aussieht. Diejenigen die die funktionale Ordnung für sich entdeckt haben, findet alles schnell wieder und hier kann effizient gearbeitet werden, obwohl Außenstehende das System wahrscheinlich nicht sofort verstehen. In der prioritätsorientierten Ordnung sind die wichtigsten Dinge perfekt organisiert, die weniger wichtigen Bereiche werden bewusst lockerer gehandhabt. Einige von uns mögen auch die flexible Ordnung. Es gibt eine Struktur, doch sie wird je nach Situation angepasst statt strikt eingehalten. In unserem Arbeitsalltag sehen wir die unterschiedlichen Ordnungsformen. Eine Kollegin hat vielleicht einen nahezu leeren Schreibtisch und sorgfältig benannte Ordner. Der andere hat möglicherweise mehrere aktuelle Projekte sichtbar ausgebreitet, weil das für seinen Arbeitsfluss sinnvoll ist. Von außen wirken die Systeme sehr unterschiedlich, doch beide können sehr effektiv sein. Interessant ist auch, dass wir häufig „ordentlich“ mit „so wie ich es machen würde“ verwechseln. Tatsächlich gibt es viele Wege, Ordnung herzustellen. Entscheidend ist meistens: Finden wir alle Dinge zuverlässig wieder? Werden alle Aufgaben zuverlässig erledigt? Entsteht kein unnötiges Chaos für andere? Wenn diese Punkte erfüllt sind, können zwei von uns völlig unterschiedlich ordentlich sein und trotzdem können beide sehr gute Arbeit leisten. Daher ist es wichtig, dass jeder seine Ordnung schafft, oft nach sehr unterschiedlichen Prinzipien, denn nur so können wir richtig gut sein. Es ist also eher ein Unterschied im Organisationsstil als ein Unterschied darin, wer „ordentlicher“ ist.