Sicherheit in Beziehungen – Abhängigkeitsdefizitsyndrom
Das Abhängigkeitsdefizitsyndrom ist kein medizinischer Begriff, es beschreibt umgangssprachlich häufig ein inneres „Zuwenig“-Gefühl. Wir empfinden dann zu wenig emotionale Bindung, keine Versorgung mit Nähe und sind dann oft hilflos unserer Selbstregulation ausgesetzt. Dadurch kann schnell der Eindruck entstehen, wir müssen uns stark machen, Dinge allein regeln oder über Kontrolle und Anpassung Sicherheit herstellen, statt uns innerlich getragen zu fühlen. Häufig tauchen dabei Stressreaktionen wie Grübeln, Überanpassung oder das Suchen nach schnellen Erleichterungen auf, weil unser System kurzfristig „funktionieren“ will, um mögliche Zurückweisungen abzufedern. Zum Bewältigen hilft uns der Ansatz, den Bedarf zu erkennen und ihn vom Sicherheitsgefühl zu trennen um dann ganz konkret die „Versorgung“ in unsere Hände zurückzuholen. Wenn wir merken, dass die Abwärtsspirale startet, ob durch den Drang nach Kontakt oder durch Grübeln, dann sollten wir erst den Fakt, was ist jetzt eigentlich wirklich passiert, finden um dann unsere Interpretation zu prüfen. Was wollen wir jetzt gerade, Sicherheit oder keine Ablehnung? Wichtig ist dabei: Nicht sofort „weg-regulieren“, durch komplizierte Gespräche oder schnelle Entscheidungen, sondern unserem Nervensystem erst Zeit geben, indem wir eine kleine Pause machen und eventuell unsere Atmung regulieren. Praktisch kann das so aussehen: wir planen Mini-Rituale für Übergänge indem wir 30–60 Sekunden eine Pause nehmen und dann 2–5 Minuten konkret in Aktion treten, damit unser Gehirn lernt, dass Sicherheit nicht nur durch äußere Nähe entsteht. Hilfreich ist eine kleine persönliche Leitlinie wie „Gefühl ist da. Bedeutung kläre ich später. Jetzt mache ich den nächsten kleinen Schritt.“ Danach setzen wir eine Grenze, die wir aushalten. Es könnte sowas sein wie: „Ich antworte morgen früh“ statt sofort aus Angst zu antworten. Parallel trainieren wir damit „richtige Brille – richtiges Ergebnis“ indem wir uns bei jeder Entscheidung fragen, welche Brille wir gerade tragen den Sicherheitsmodus oder den Wertemodus und ob unser nächster Schritt unser Weg ist oder nur ein Schutzreflex. So wird aus unserer Abhängigkeitssuche allmählich eine verlässliche Selbstregulation.